Die Jüdischen und israelischen Feiertage werden im Folgenden von Ari Lipinski erklärt und illustriert. Ari Lipinski zeigt den Ursprung der Feiertage und deren Bräuche an Hand der relevanten Texte aus der Thora, der ersten 5 Bücher Mose in der Bibel.

Einige Feiertage und Gedenktage basieren nicht auf Gebote aus der Thora, sondern auf spätere Vorschriften, die aus anderen Büchern der Bibel entnommen wurden. Z.B. das Fest Purim wird im Buch Esther begründet, und die Fastentage Yom Gedalija, der 10. Tewet, der 17. Tamuz und der 9. Aw werden auf Textstellen der Propheten zurückgeführt. Das Lichterfest Chanukkah basiert auf dem Buch Makkabim (Makkabäer), das nicht zum jüdischen Kanon der Bibel zählt, sondern zu den Apokryphen. Tu Bischwat, das Neujahr der Bäume, basiert auf Aussagen der nachbiblischen Mischna, und wurde praktisch im Staat Israel zu einem israelischen Feiertag deklariert.

Die Beiträge folgen im Text unter einander nach deren chronologischen Reihenfolge im jüdischen Kalender.  Liebe Leserinnen und Leser,  wenn Sie auf dieser Seite down-scrollen (weiter nach unten klicken), sehen Sie meine Artikel über die jüdischen und israelischen Feiertage. Einzelne Beiträge zu diesen Feiertagen finden Sie auch in meinem Blog unter: arilipinski.de/ari-blog . Ich wünsche Freude beim Lesen.

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Below you find the Holidays explained according to their chronological order in the Jewish calendar. Check for the required holiday by down scrolling further on this page. See Updates and pictures.

Die Reihenfolge der jüdischen und israelischen Feiertage ist wie folgt: 

Rosch HaSchana ראש השנה (Jüdisches Neujahr), Zom (Fastentag) Gedalja am 3. Tishrei,  Jom Kippur יום כיפור (Versöhnungstag),  Sukkot סוכות (Laubhüttenfest), Simchat Thora שמחת תורה (Die Freude der Thora), Schemini Azeret שמיני עצרת (Die Versammlung am 8. Tag),  Chanukka חנוכה (Das Lichterfest),  Tu BiShevat ט“ו בשבט (Neujahr der Bäume),  Zom (Fastentag) 10th of Tevet, Purim פורים und Taanit (Fasten) Esther,  Pessach פסח  und Chag HaMatzot (Fest des ungesäuerten Brotes),  Yom HaSHOA we HaGewura יום הזכרון לשואה ולגבורה (Der israelische Gedenktag an die SHOA und das Heldentum),  Yom HaZikaron leChalelei Zahal uMaarchot Israel יום הזכרון לחללי צה“ל ומערכות ישראל (Gedenktag an die Gefallenen der israelischen Armee, der Kriege Israels und der Terroropfer),  Yom HaAzmaut יום העצמאות (Israels Unabhängigkeitstag),  Lag BaOmer 33. Tage nach Pessachr ל“ג בעומר   ,  Yom Jerushalayim יום ירושלים (Jerusalem-Tag der Befreiung im 6-Tage Krieg 1967),  Schavuoth שבועות (Wochenfest, 7 Wochen nach Pessach ‚Pentecost‘), Zom (Fastentag) 17. Tamuz צום י“ז בתמוז (Gedenktag an den Fall der Mauer Jerusalems, der Zerbrechung der ersten 2 Tafeln der 10 Gebote wegen des Goldenen Kalbes sowie weitere Ereignisse, die im Artikel erläutert werden.) ,  Zom (Fastentag) 9.  Av צום ט‘ באב ( Gedenktag an die Zerstörung des 1. Tempels durch den babylonischen König Nebucadnezar im Jahre 586 v.d.Z. und des zweiten Tempels im Jahre 70 durch den Römer Titus.).

Die Zahl 7 ist seit der Schöpfungsgeschichte von prägender Bedeutung.

Wie Rabbiner David Zwi Hoffmann aufzeigte, sind die Feiertage des Rosch HaSchana und Jom Kippur im Zusammenhang der Thora-Konzeption rund um die Zahl 7 zu verstehen.

Der siebte Tag der Woche, der Schabbat שבת , erinnert an die Schöpfung durch Gott.

Das Schemita-Jahr שנת שמיטה , das siebte Jahr, ist das Ruhejahr des Bodens im Lande Israel. Rosch HaSchana ist sowohl der anfang eines Jahres, als auch der Anfang der Berechnung der sieben Jahre der Schemita. Das siebte Jahr, das Schemita-Jahr erinnert daran, dass das Land dem Ewigen gehört.

Das Jubel-Jahr, (Schenat Jowel יובל), das 50. Jahr, wird als das fünfzigste Jahr berechnet, nachdem man 7 Mal ein Schemita-Jahr zählt. An dem Jubel-Jahr, dem Jowel, werden die Besitz-Verhältnisse des Bodens wiederhergestellt, um an die Unterordnung vor Gott zu erinnern.

Die Zahl 7 ist auch kennzeichnend für die Dauer wichtiger biblischer Feiertage:

Pessach ( genauer gesagt Chag HaMazot) dauert 7 Tage.

Sukkot, das Laubhüttenfest, dauert 7 Tage.

Das Wochenfest Schawuot findet am Ende der Zählung von sieben Wochen des Omers (Sefirat haOmer

ספירת העומר) statt.

Die Feiertage des Jahresanfangs (Rosch HaSchanaJom Kippur und Sukkot) finden im siebten Monat, Tischrei, statt, da der Monat Nissan, an dem Pessach gefeiert wird, als Jahresanfang galt. Sukkot, das Laubhüttenfest, findet genau 7 Monate nach Pessach statt. Und ferner sind es sieben Tage, an denen (in Jerusalem) die Ruhe von Arbeit (Werkfreiheit) gilt: 2 Tage an Pessach, 1 Tag an Schawuot, 1 Tag an Rosch HaSchana, 1 Tag Jom Kippur, 1 Tag Sukot und 1 Tag Schemini Azeret am Ende von Sukkot. Zusammen: 7.

ב“ה Rosch HaSchana – ראש השנה Das jüdische Neujahr

(Folgender Text ist unter Copyright Ari Lipinski, da es aus dem Bibel-Kommentar-Buch von Ari Lipinski entnommen ist, das in Vorbereitung ist.) Das jüdische Neujahr heißt auf Hebräisch Rosch ha Schana. Der Name bedeutet: der Kopf, der Sinn und auch der Anfang des Jahres. Anfang würde „Reschit“ und nicht Rosch heißen. Denken Sie an den Anfang der Bibel „Am Anfang“ heißt auf Hebräisch „Bereschit“. Der Neujahrstag wird auch Jom Kesse יום כסה genannt, weil an diesem Tag der Mond vollständig verdeckt ist. Siehe Psalm 81, Vers 4. Mit dem Neujahr beginnt der jüdische Monat Tischrei תשרי. Tischrei bedeutet in Babylonisch Anfang, also der Monat, mit dem das Jahr beginnt. Dieser Monat war zur Thora-Zeit eigentlich der siebte Monat, weil der Monat Nissan ניסן (Beginn des Frühlings) der erste Monat war. Z.B. fand der Auszug aus Ägypten im Monat Nissan statt. Damals hatte der Anfang eine doppelte Bedeutung…

Mit Rosch HaSchana fängt die kalendarische Zählung nicht nur eines Jahres, sondern der Termin dient auch zur Berechnung des Schemita-Jahres (שנת שמיטה das siebte Jahr, das dem Boden im Lande Israel als Ruhe-Jahr dient) und des Jowel-Jahres (שנת יובל des Jubel-Jahres) nach sieben Mal Schemita-Jahr, das 50. Jahr. Rosch HaSchana steht auch für den Anfang der Berechnung des Gemüse-Anbaus, um die Steuer des Zehntels periodisch zu berechnen. (Siehe unten: die Termine für das Neujahr der Bäume im Winter, da der Ertrag des Obstes terminlich anders als der des Gemüseanbaus berechnet wird.) Den Rosch haSchana feiert man heutzutage zwei Tage lang. Zur Tempelzeit genügte ein Tag für die Bewohner Jerusalems. Außerhalb Jerusalems und vor allem außerhalb des Landes Israel hat man zwei Tage gefeiert, weil man auf den Boten hat warten müssen, der das genaue Datum aus Jerusalem übermittelt hatte. Das jüdische Jahr basiert auf dem Zyklus der Mond-Monate. Der heutige feststehende jüdische Kalender wurde von Rabbiner Hillel, dem Präsidenten der Sanhedrin, ca. im Jahre 359 nach der Zeitrechnung festgelegt.

Der Ursprung von Rosch haSchana wird von den zwei folgenden Thorastellen abgeleitet, obwohl dort die Bezeichnung nicht „Neujahr“ lautet, sondern Tag des Schofar[1]-Halls (Posaunenhalls bedeutet Schofar-Blasens) genannt wird. Die Stellen sind 3. Mose (Wajikra ויקרא), Kap. 23, Verse 23 bis 25: „Und der Ewige redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israel und sprich: im siebten Monat, am ersten des Monats soll euch Ruhe sein, ein Gedächtnis des Posaunenhalls, eine heilige Versammlung. Keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun, und ihr sollt dem Ewigen ein Feueropfer darbringen“. Der Begriff „Euch Ruhe sein, ein Gedächtnis des Posaunenhalls“ (Elberfelder) heißt auf Hebräisch „Schabaton Sichron Truah“ שבתון זכרון תרועה. Im 4. Mose (BaMidbar במדבר), Kap. 29, Verse 1 bis 6 ist ein zweiter Verweis auf diesen Feiertag: „Keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun. Ein Tag des Posaunenhalls soll es euch sein. In diesen ersten Versen des 4. Mose, Kap. 29 wird der Widder namentlich als eines der Opfertiere aufgeführt, „um Sühnung für euch zu tun“ (4. Mose, Kap. 29, Vers 5).

 

Das hebräische Wort Schofar[1] stammt aus der Verb-Wurzel leschaper לשפר, das „zu verbessern“ bedeutet. Der Klang des Schofar-Blasens ist der Aufruf, sich im Sinne Abrahams zu verbessern. Der Charakter des jüdischen Neujahrs wird symbolisch durch das Schofar-Blasen deutlich. Das Begehen des Neujahrs mit dem Schofar-Blasen ist eine Verkündigung, dass der Gläubige Gott als König der Welt anerkennt.

Der Rosch haSchana (das jüdische Neujahr) ist nach einer Tradition des Talmuds auch eine Erinnerung an die Erschaffung Adams durch Gott. Die jüdische Tradition sieht die ersten 10 Tage des neuen Jahres als Entscheidungstage, in denen der Ewige über die Menschen richtet. Die traditionelle Auffassung, die die Rabbiner nach der Tempelzeit abgeleitet hatten, besagt, dass am Rosch haSchana Gott die Entscheidung über das Weiterleben jedes einzelnen Menschen entscheidet. Das Urteil wird, so die jüdische Tradition, am Ende des 10. Tages, der Yom Kipur (der Versöhnungstag) heißt, besiegelt, und das Urteil wird am Ende des Laubhüttenfestes am Ausgang von Simchat Thora (die Freude der Thora) rechtskräftig. Diese rabbinische Interpretation[2] basiert auf dem Psalm 33, Verse 13 bis 15 „Der Ewige blickt von den Himmeln herab, er sieht alle Menschenkinder. Von der Stätte seiner Wohnung schaut er auf alle Bewohner der Erde. Er, der da bildet ihr Herz allesamt, der da merkt auf alle ihre Werke.“ (Elberfelder). Die 10 Tage zwischen dem Neujahr (Rosch HaSchana) und dem Ende des Versöhnungstages (Jom Kippur) werden als die 10 Tage der Sühne (Aseret Jemei Teshuwa עשרת ימי תשובה) genannt, in denen man verstärkt um Sühne der Vergehen des vergangenen Jahres bemüht ist.

Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass sich die Juden vor und zu diesen Feiertagen ein gutes Jahr wünschen, in dem sie den Spruch zitieren: „LeSchana Tova Tekatevu ve Techatemu“. Auf Deutsch: „Möget ihr für ein gutes Jahr eingeschrieben und besiegelt werden“.

Das wohl bekannteste Gebet des Neujahres in den Gemeinden des Aschkenas (Deutschland, Italien, Mittel-Europa) heißt Unetane Tokef (ונתנה תוקף). Die Worte bedeuten: Und man erkenne die Gültigkeit (der Gerichtsbarkeit Gottes) an.  Das aus dem 12. Jhd. stammende Gebet wird dem Mainzer Rabbiner Amnon zugeordnet. Das Gebet wird zum Abschluss des Morgengebets (Mussaf מוסף) an den zwei Neujahrstagen und am Jom Kippur gesprochen bzw. gesungen. Der Gläubige erkennt die Hoheit und Gerichtsbarkeit Gottes an. Darin wird die Nichtigkeit des Menschen in Relation zu Gott und die daraus folgende Ehrfurcht vor Gott literarisch, reich an Reimen und gut zum Gesang geeignet zum Ausdruck gebracht. Der Text erzählt vom Ablauf der Entscheidungsfindung vom Neujahr bis zum Urteil am Jom Kippur (dem Versöhnungstag). Das Gebet endet mit der Erwähnung der Serafim, der heiligen, Gott nahe stehende Engel in Anflehung um die Gnade Gottes. Anbei ein Link zum Youtube des Gebets, gesungen vom weltbekannten israelischen Oprern-Sängers und Kantors Dudu Fisher http://www.youtube.com/watch?v=kmsWmvILKHM .

Zu den Traditionen des Feiertags gehört der Brauch des „Taschlich“ (Abschütteln). Am Nachmittag im Anschluss an das Mincha-Gebet (Mittagsgebet) am ersten Tag des Neujahrs pflegt man, zum Ufer einer fließenden Wasserquelle (z. B. an ein naheliegendes Ufer eines Baches, eines Flusses, eines Teiches oder an ein naheliegendes Meeresufer) zu gehen, um dort alle Kleidungstaschen gründlich leer zu schütteln. Damit sollen symbolisch unsere Sünden zu Beginn eines neuen Jahres weggeworfen werden, damit wir sozusagen mit einem reinen Gewissen vor dem Ewigen vor seinem Urteil antreten. Diese Sitte hat ihren Ursprung im Buch des Propheten Micha, Kap. 7, Vers 19, in dem steht: „Du wirst all unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ (Elberfelder).

Weitere berühmte Bräuche des Rosch HaSchana-Festes sind: man schenkt einander und man speist selber mit Apfel und Honig. Damit drückt man den Wunsch nach einem guten, fruchtbaren und süßen Jahr aus. Viele pflegen für die Festspeise eine Nachspeise in Form eines Honigkuchens anzubieten. Ferner gehört der Granatapfel zur Symbolik des Festes dazu. Man wünscht sich mit dem Granatapfel ein gesegnetes Jahr, voller guter Taten, Erfüllung vieler Gebote, so viele wie die Vielzahl der süßen Körner der Frucht des Granatapfels. Auch Datteln sollen an Honig und ein süßes Jahr erinnern, da der honigfarbene Saft der Dattelpalmen den Kundschaftern der Kinder Israels den Eindruck verliehen hatte, dass dort Honig floss. (Jeweils Photo durch Anklicken vergrößern, möglich.)

Jüdischen Gemeinden in verschiedenen Ländern der Diaspora haben weitere Traditionen seit der Talmudzeit entwickelt. So werden gute Wünsche für das neue Jahr mit der Speise von Kürbis bzw. Zucchini, der Speise von Rubia (einer Bohnenart) sowie von Rote Beete, Spinat und Mangoldblätter symbolisch verbunden. In Aschkenas (Deutschland bzw. Zentraleuropa) pflegte man, in den letzten Jahrhunderten in runde Scheiben geschnittene, gekochte Möhren mit Zimt mit dem Wunsch nach einem guten und beruflich erfolgreichen Jahr zu verbinden. Daher nennt man die Speise der wie Goldmünzen aussehenden Möhrenstücke auf Jiddisch „Zimmes“. Jahrhunderte lang pflegen viele Gemeinden auch, den Kopf eines Fisches in der Festspeise zu haben. Der Fischkopf symbolisiert den Wunsch, in der Gesellschaft eine denkende, mitführende Rolle zu erfüllen.

Im Judentum leitete man also den Frühlings-Monat Nissan von der Thora als ersten Monat des Jahres für die Berechnung der Opfer-Darbringung ab. (Siehe die Geschichte des Exodus aus Ägypten und des Pessach-Opfers.) Wir haben den Rosch ha Schana, den Anfang des Herbst-Monats Tischrei, mit dem das jüdische Kalenderjahr beginnt. Wir bezeichnen den 15. des Monats Schwat (Tu BiSchwat am Ende des Winters im Lande Israel) als das Neujahr der Bäume. Tu BiSchwat diente zur Berechnung des Zehntels als Steuer von den Erstlingen der Obstbäume, da in dem Monat Schwat die ersten Obst-Knospen zu sehen waren.  Und im Frühjahr ist ein weiteres Neujahr, das biblisch lange zur Berechnung der Amtszeit von Königen gedient hat.

Machzor מחזור: Heutzutage nennt man Machzor das Gebetbuch zu den Hohen Feiertagen Rosch HaSchana (Neujahr), Jom Kippur (Versöhnungstag), Sukkot (Laubhüttenfest), Pessach (Gedenken des Auszugs aus Ägypten) und Schawuot (das Wochenfest). Das Wort Machzor bedeutet auf Hebräisch ‚Turnus‘. Denn ursprünglich war das Machzor-Gebetsbuch die Kollektion der Gebete des ganzen Jahresablaufes. Das Machzor-Buch diente zuerst vor allem den Vorbetern, den Kantoren (Chasan חזן, Chasanim חזנים). Erst nach der Verbreitung der gedruckten Ausgaben ist der Machzor zum Gebetsbuch aller geworden. In der Berechnung der zyklischen Turni im Mond-Kalender sind auch Zyklen von drei Jahren und von 28 Jahren bedeutend. Diese haben auch zur Wahl des Begriffs Machzor beigetragen. Den Begriff findet man bereits in der Mishna im Zusatz zum Traktat Joma, Kap. 54. Es gibt handschriftliche Machzor-Ausgaben z.B. aus Worms aus dem Jahr 1272 und aus Nürnberg vom Jahr 1331. Als erste Druckausgabe ist der Machzor von Rom vom Jahr 1485-6 bekannt. – Bei meiner Recherche bediente ich mich auch den zuverlässigen Angaben des großen Gebete-Forschers Abraham Meir Habermann (1901-1980).

Das vom Machzor getrennte Gebetsbuch für den Alltag und Schabbat (Samstag) heißt Sidur סידור (Die Ordnung, Das Geordnete).

Fußnoten:

[1]Schofar ist ein Horn des Widders, mit dem laut geblasen wird. Der besondere Sinn davon besteht darin, dass man den Ewigen an die uneingeschränkte Glaubenseinstellung und an das Gottesvertrauen Abrahams erinnern möchte, wie er dies bei der Bindung seines Sohnes Isaaks bewiesen hat. Damals (siehe 1. Mose, Kap. 22) ist ein Widder dem Abraham erschienen, der als Opfer anstatt Isaak diente. Damit war ein Zeichen Gottes deutlich, dass Kinderopfer unerwünscht seien. Abraham bestand damit eine seiner 10 Glaubensprüfungen. Abraham hat seine Bereitschaft, Isaak zu opfern, gezeigt, vertraute aber fest darauf, dass der Ewige doch sein Versprechen halten würde, dass aus Isaak ein großes Volk werden würde.

[2]Die rabbinische Interpretation lässt sich in der Mischna, Traktat Rosch ha Schana (Neujahr) Kap. 1, Absatz 2 sowie im Talmud, im Buch Tossefta, im Traktat Rosch ha Schana nachlesen. Dort steht, dass alle am Rosch ha Schana ein Urteil bekommen, und dieser am Yom Kipur besiegelt werde.

 Jom Kippur Synagogen-Gebet    *     Schofar    *   Ari Lipinski nach Jom Kippur am Kotel   ב“ה

Quellen: Bild links: http://pl.wikipedia.org/wiki/Jakub_Weinles * Mitte: Chabbad *     Jom Kippur bzw. Jom HaKippurim, der jüdische Versöhnungstag ist ein Feiertag aus der Thora. Im Unterschied zu vielen anderen wichtigen Feiertagen wurde er auch zur Tempelzeit und bis heute nur an einem Tag gefeiert. Andere Feiertage wie z. B. Rosch ha Schana, das Laubhüttenfest, das Pessach-Fest und das Wochenfest werden außerhalb des Landes Israel jeweils an zwei Tagen gefeiert. Im Volksmund gilt er als der höchste jüdische Feiertag. Eigentlich ist der Schabat (Samstag, Ruhetag) nach der Thora heiliger als Jom Kippur. Trotzdem ist Jom Kippur der einzige Fastentag, der wegen Schabat nicht terminlich verschoben wird. Jom Kippur findet am 10. des Monats Tischrei statt. Das Wort Kippur bedeutet Sühne (das Wort Kippurim ist eine hebräische Pluralform von Kippur). Markant für diesen hohen Feiertag sind das Fasten und das ganztägige Gebet. Es ist ein arbeitsfreier Tag, ein absoluter Ruhetag. Damit man sich auf das Gebet und auf die Sühnegedanken konzentrieren kann, haben die Gelehrten der Mischna 5 zentrale Verbote mit diesem Tag verbunden: Essen und Trinken, mit Öl verbundene Körperreinigung, das Tragen von Lederschuhen bzw. Sandalen und Geschlechtsverkehr.

Nach der Thora im Buche Exodus (Schemot) stieg Mose auf den Berge Sinai am 1. des Monats Elul, und verbrachte oben 40 Tage. Dann erhielt er zum zweiten Mal die zwei Tafeln der 10 Gebote und stieg vom Berge Sinai hinab. Damals hat Gott auf die Bitte von Mose den Kindern Israels die Sünde vom goldenen Kalb durch die Gabe der zweiten Ausgabe der Zwei Tafeln vergeben. Die Sünde des Volkes am goldenen Kalb führte zur Zerbrechung der ersten zwei Tafeln der 10 Gebote durch Mose nach seinem ersten Aufstieg zum Berge Sinai.

Die Thora-Quelle für den Versöhnungstag (Jom Kippur) finden wir in der Thora, im Buch Wajikra (3. Mose), Kap. 16, Vers 29, 30 und 31: „Und dies soll euch zur ewigen Satzung sein: im siebten Monat, am zehnten des Monats, sollt ihr eure Seelen kasteien und keinerlei Arbeit tun, der Eingeborene und der Fremdling, der in eurer Mitte weilt. Denn an diesem Tage wird man Sühnung für euch tun, um euch zu reinigen. von allen euren Sünden werdet ihr rein sein vor dem Ewigen. Ein Sabbat der Ruhe soll er euch sein, und ihr sollt eure Seelen kasteien, eine ewige Satzung.“. (Elberfelder Bibel-Übersetzung.)

Wie im Zusammenhang von Rosch HaSchana (dem jüdischen Neujahr) erklärt, dienen die 10 Tage vom Neujahr bis einschließlich Jom Kippur für die Bitte um Vergebung und für Sühne. Die 10 Tage heißen „Aseret Jemei Teschuwa“ (die 10 Tage der Sühne), oder auch „Hajamim ha noraim“ (die 10 Furcht erregenden Tage) genannt. Nach jüdischer Tradition befindet Gott in diesen Tagen über das Weiterleben der Menschen. Die erste Entscheidung findet am Rosch ha Schana (dem Neujahr) statt. Das Urteil wird am Ausgang des Jom Kippurs (des Versöhnungstages am 10. des Monats) besiegelt, und das Urteil wird am Ende des Laubhüttenfestes am Ausgang von Simchat Thora (die Freude der Thora) rechtskräftig. Während der Tempelzeit fand am Jom Kippur eine außergewöhnliche, einmalige Zeremonie statt: Für die Bitte um Vergebung und Sühne für das ganze Volk der Kinder Israels zu bitten, durfte der Hohe Priester (HaCohen ha Gadol) in das Allerheiligste (Kodesch haKodaschim), dem heiligsten Bereich des Tempels, eintreten. Der Eintritt in diesen Bereich war während aller anderen Tage des Jahres strikt verboten.

Eine weitere Besonderheit des Jom Kippur-Gottesdienstes im Tempel bestand darin, dass ein Stier und ein Widder geopfert wurden und ein Los zwischen zwei Ziegenböcken zwecks weiteren Opfers vorgenommen wurde. Der Widder diente dazu, Gott an seinen geliebten Knecht Abraham zu erinnern, und somit zugleich Gott an seine Versprechungen an Abraham ins Besondere nach der Bindung Isaaks zu erinnern. Auch das Schofar-Blasen am Jom Kippur (wie zu Rosch HaSchana) soll Gott an die unbedingte Treue Abrahams erinnern, da der Schofar aus dem Horn eines Widders deswegen gemacht wird.

Vor dem ganztägigen Fasten findet ein festliches Mahl statt, dass „Seuda Mafseket“ (die trennende Speise) genannt wird. Die aschkenasische Sitte (der Juden Zentraleuropas) kam u. a. dadurch zum Ausdruck, dass man bei dieser „Seuda Mafseket“ „Kreplach“ gegessen hat. Die Kreplach sind kleine Fleischbällchen in Teig gebacken. Das Fleisch steht symbolisch für Begierde und Sünde. Darum wird das Fleisch mit Teig umhüllt, um sinnbildlich die Sünden abschaffend weg zu decken. Diese Sitte drückt die Erkenntnis aus, dass man höchstwahrscheinlich nicht perfekt ist, und man Sünden abzulegen hat.

In den jüdischen Gemeinden Tunesiens pflegt man die Sitte, bei der Seuda Mafseket Quittenmarmelade (Ribat Chawuschim) zu essen. Marmelade steht symbolisch für die Versüßung und die Quitten für die Inhaftierten, weil auf Hebräisch „HeChawusch“ der Häftling bedeutet.

Das berühmteste Gebet von Jom Kippur heißt Kol Nidrei. Es bedeutet „alle meine Gelöbnisse“. Mit diesem Gebet, dass dreimal hintereinander zu Beginn des Jom Kippurs (also am Abend zwischen dem 9. und dem 10. des Monats Tischrei) laut in der Synagoge gesungen wird, beinhaltet eine öffentliche Aufkündigung aller Gelöbnisse, Versprechungen und Verpflichtungen, die eine Person im vergangenen Jahr eingegangen war. Der Sinn der öffentlichen Annullierung besteht darin, vor dem Ewigen und vor seinem Urteil symbolisch ohne uneingehaltenen Versprechungen und Verpflichtungen des vergangenen Jahres zu stehen. Im Laufe der Jahrhunderte hat man formelle rabbinische Vorschriften erlassen, um zu verhindern, dass Personen kurz vor dem Feiertag z. B. finanzielle Verpflichtungen bzw. Verträge eingehen, die dann auf Grund des Kol Nidrei Gebetes ihre Gültigkeit etwa verlieren würden.

Die besondere Melodie des Kol Nidrei Gebetes ist den meisten Juden Jahrhunderte lang bekannt gewesen. Mit dem Link können Sie zum wunderbaren YOUTUBE (überspringen Sie die Anfangs-Werbung) des Gebetes gesungen vom berühmten Kantor Naftali Herstik von der großen Synagoge Jerusalems mit „The Cantors“ gelangen. Die besondere Aufzeichnung stammt aus der großen Potugisischen Synagoge Amsterdams im Jahre 2012.

Am Jom Kippur wird aus der Thora ein feststehender Abschnitt, nämlich vom Wochenabschnitt „Achrei Mot“ gelesen. Dieser Abschnitt vom Buch Wajikra (3. Mose) von Kap. 16, Vers 1 bis Kap. 18, Vers 30 handelt u. a. von den Begebenheiten nach dem Tod der zwei Söhne Aarons, Nadaw und Avihu. Das bedeutet, dass am Jom Kippur ein inhaltlich für Sühne relevanter Text gelesen wird, und nicht der chronologisch anstehende vorletzte Wochenabschnitt aus dem 5. Buch Mose. Zusätzlich wird ein kurzer Abschnitt aus dem Buch „BaMidbar“ (4. Mose), dem sogenannten Wochenabschnitt Pinchas, gelesen. Gemeinsam für die beiden gelesenen Textabschnitte ist, dass sie vom zelotischen innersten Glauben der drei erwähnten Personen handeln. Den Prophetenzusatz (Haftara), den man nach der Thora-Lesung liest, entnimmt man vom großen Trostpropheten Jesaja aus Kap. 57, Verse 14 bis  Ende von Kap. 58. Der berühmte Vers 14 lautet „Und man wird sagen: Machet Bahn, machet Bahn; bereitet einen Weg, hebet aus dem Wege meines Volkes jeden Anstoß hinweg! Kap. 58 endet mit dem tröstenden Satz „Dann wirst du dich an dem Ewigen ergötzen, ich werde dich einher fahren lassen auf den Höhen der Erde, und werde dich speisen mit dem Erbteil Jakobs, deines Vaters; denn der Mund des Ewigen hat gesprochen“. (Elberfelder Bibel-Übersetzung)

Nach der Thora-Lesung und der Haftara-Lesung wird das Gebet Jiskor zum Gedenken an die Seelen der verstorbenen Verwandte und an die Opfer der SHOA gesprochen. Es ist dabei eine Sitte, dass Personen, deren Eltern noch leben, während des Jiskor-Gebetes den Raum der Synagoge verlassen. Es ist ein Brauch, in diesem Zusammenhang vor bzw. nach Jom Kippur eine Spende für Zedaka (Wohltätigkeit) zu machen. Das Jiskor-Gebet wird außer am Jom Kippur auch am Schmini Azeret (am Ende des Sukkot-Festes, am 7. Tag des Pessach-Festes (eigentlich des Chag Hamazot, weil Pessach nur der erste Tag des Festes heißt), und am Schawuot-Wochenfest gesprochen.

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Im Staat Israel wird Jom Kippur als staatlicher Feiertag eingehalten. Es bedeutet z. B. dass praktisch der gesamte öffentliche Verkehr an Straßen, Seehäfen und Flughäfen vollständig unterbrochen wird. Öffentliche Fernseh- und Radioanstalten unterbrechen ihre Sendungen. (Es sei denn, dass ein Kriegszustand ausbricht.) Es ist ein werkfreier Tag. Also sind alle öffentlichen Stellen und alle Schulen geschlossen. Praktisch sind fast alle Firmen und Geschäfte geschlossen landesweit geschlossen. Nichtjüdische Firmen (wie z.B. Restaurants in arabischen Ortschaften) sind davon nicht betroffen.

Interessanterweise bekunden ca. zwei Drittel der jüdischen Einwohner Israels laut wiederholten Umfragen, dass sie am Jom Kippur fasten, auch wenn nicht alle die fasten, auch zur Synagoge gehen. Ca. die Hälfte der Fastenden verstehen sich ansonsten als relativ säkular. Diese besondere statistische Beobachtung untermauert andere statistische Erhebungen, laut denen der allergrößte Teil (über 90 %) der jüdischen Bevölkerung religiös mit einem Rabbiner heiraten, und ihre Söhne traditionell nach 8 Tagen beschneiden lassen. Über drei Viertel der jüdischen Bevölkerung geben in solchen statistischen Umfragen an, dass sie mit ihrer Familie den traditionellen Seder-Abend (das Abendmahl, das zu Beginn des Pessach-Festes stattfindet) mit dem traditionellen Matze-Brot begehen. Ich erwähne diese statistischen Angaben, um die besondere Einstellung der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Israel zu beleuchten. Obwohl man im gewöhnlichen Tagesablauf während des Kalenderjahres den Eindruck gewinnen könnte, als wären die meisten jüdischen Israelis nicht religiös, lässt sich an einigen Eckpfeilern der biblischen Tradition zeigen, dass ein gewisses Maß an Religiosität gekoppelt mit einem hohen Stellenwert von zentralen Traditionen auch bei der sogenannten (sogar bei sich selbst oft als säkular bezeichnenden Bevölkerung) klar zu erkennen ist. Im Übrigen pflegte der erste aschkenasische Oberrabbiner des Landes Israels in der modernen Zeit, Rabbiner Abraham Jitzchak Ha Cohen Kuk (1865 – 1935) zu sagen, dass laut der Thora alle Kinder Israels zum heiligen Volk Israel gehörten. Von daher steckt auch in den Juden ein Funke Religiosität, die sich selbst als säkular bezeichnen. Bei Juden, die im Lande Israel leben, gelte es laut Rab. Kuk umso mehr, weil bereits durch ihr Leben im Lande Israel sie eines der wichtigsten Gebote der Thora erfüllen.

Zu den besonderen Bräuchen vor dem Jom Kippur gehört u. a. (wie auch seit dem Neujahr, dem Rosch HaSchana), dass sich Personen einander mit dem Wunsch für ein gutes Jahr (Schana Towa) begrüßen. Viele pflegen auch, sich bei anderen Menschen für eventuelle Verletzungen, Beleidigungen oder Vergehen zu entschuldigen. Es gilt der traditionelle Grundsatz, dass für zwischenmenschliche Vergehen die Menschen sich direkt bei ihren Mitmenschen zu entschuldigen haben. Dafür kann man nicht, nur bei Gott um Vergebung bitten. Die Thora unterscheidet zwischen Vergehen gegenüber göttliche Gebote und Verbote und zwischen Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich.

Ein weiterer sehr bekannter Brauch heißt „Kaparot„. Es geht um eine moderne Form des Opfer-Ersatzes, der daran erinnern soll, wie zur Tempelzeit durch die sühnende Opferung des Ziegenbocks (des Sündenbocks, „Seir laAzazel„) man um Vergebung der Sünden gebeten hat. Manche opfern dazu einen Hahn, den man vor seiner Schlachtung um den eigenen Kopf dreht, wobei man um sein Leben und um Frieden bittet. Dieser Hahn geht nach seiner Schlachtung als eine Spende an die Armen. Andere Personen setzen die Tradition ohne einen Hahn um. Stattdessen drehen sie einen Umschlag mit einer Spende für die Armen um den Kopf. Die Hauptsache dieser Sitte besteht darin, dass man sich durch eine gute Tat (in Form einer Spende an die Armen) für seine eigenen Fehler entschuldigen möchte.

Machzor: Heutzutage nennt man Machzor das Gebetbuch zu den Hohen Feiertagen Rosch HaSchana (Neujahr), Jom Kippur (Versöhnungstag), Sukkot (Laubhüttenfest), Pessach (Gedenken des Auszugs aus Ägypten) und Schawuot (das Wochenfest). Das Wort Machzor bedeutet auf Hebräisch ‚Turnus‘. Denn ursprünglich war das Machzor-Gebetsbuch die Kollektion der Gebete des ganzen Jahresablaufes. Das Machzor-Buch diente zuerst vor allem den Vorbetern, den Kantoren (Chasan חזן, Chasanim חזנים). Erst nach der Verbreitung der gedruckten Ausgaben ist der Machzor zum Gebetsbuch aller geworden. In der Berechnung der zyklischen Turni im Mond-Kalender sind auch Zyklen von drei Jahren und von 28 Jahren bedeutend. Diese haben auch zur Wahl des Begriffs Machzor beigetragen. Den Begriff findet man bereits in der Mishna im Zusatz zum Traktat Joma, Kap. 54. Es gibt handschriftliche Machzor-Ausgaben z.B. aus Worms vom Jahr 1272 und aus Nürnberg vom Jahr 1331. Als erste Druckausgabe ist der Machzor von Rom vom Jahr 1485-6 bekannt. – Bei meiner Recherche bediente ich mich auch den zuverlässigen Angaben des großen Gebete-Forschers Abraham Meir Habermann (1901-1980).

Das vom Machzor getrennte Gebetsbuch für den Alltag und Schabbat (Samstag) heißt Sidur סידור (Die Ordnung, Das Geordnete).

Nachtrag zu Jom Kippur –

Ein Beispiel zwischenmenschlicher Versöhnung und Demut vor dem Schöpfer.

In Israel ist seit 1973 der Jom Kippur (der Versöhnungstag) unzertrennlich mit der Erinnerung an den Ausbruch des Jom Kippur Krieges (Oktoberkrieges) von 1973 verbunden. Ich gehörte zu den Tausenden israelischen Soldaten, die zu Hause mit der Familie (ich mit meinen Eltern) gerade bei dem Festmahl vor Beginn des Fastentages, also bei der „Arucha Mafseket“ gesessen waren, als plötzlich die Meldung vom Militär kam, dass man sofort und dringend zu seiner Einheit zurückkehren müsse. Syrien und Ägypten haben damals kurz vor Anfang des höchsten jüdischen Feiertages Israel gleichzeitig von Norden und von Süden überraschend mit großen Militärmassen überfallen. In diesem ca. dreiwöchigen Krieg, der am 5. Oktober begann, sind über 2.500 israelische Soldaten bei der Verteidigung der Zivilbevölkerung Israels gefallen. Was z. B. die Syrer mit der jüdischen Bevölkerung des Norden Israels hätten (Gott bewahre) anrichten können, lässt sich heutzutage (September 2014) exemplarisch am furchtbaren Gemetzel in Syrien und dem Irak deutlich vorstellen. Auch ich verlor Schulkameraden in diesem Krieg. Der Krieg endete trotz des Überraschungsvorteils und trotz der großen militärischen zahlenmäßigen Überlegenheit der arabischen Armeen von Syrien, Ägypten und dem Irak doch mit einem israelischen Militärsieg. Dieser drückte sich darin aus, dass Israel bis 40 km vor Damaskus und bis 101 km vor Kairo zurückschlagen konnte. Ägypten verlor im Krieg über 15.500 Soldaten und Syrien über 4.000.

Als Ägyptens Präsident Anwar Sadat am 20. November 1977 im israelischen Parlament, in der Knesset, in Israels Hauptstadt Jerusalem seinen sensationellen Friedensaufruf „No more war! No more bloodshed!“ öffentlich aussprach, haben die meisten Israelis ihm den Angriff von Oktober 1973 praktisch vergeben, und ihn mit Begeisterung in Israel begrüßt. Nach seiner historischen Rede in der Knesset und der Umarmung mit dem gastgebenden damals amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin, kam es zu einer sehr bewegenden Begegnung zwischen Präsident Anwar Sadat und der ehemaligen israelischen Ministerpräsidentin während des Oktoberkrieges

1973, Golda Meir. Da es kurz nach der Versöhnungszeit von Jom Kippur (also dem Versöhnungstag) war, fragte ein Journalist spontan Frau Golda Meir, ob sie denn nun Präsident Sadat den Angriff von 1973 verzeihe. Alle Anwesenden und die Millionen Zuschauer am TV-Bildschirm bei der Live-Übertragung waren gespannt, zu hören, wie Golda Meir reagieren würde. Es sollte doch nicht zu einem Eklat kommen, nachdem der Gast mit einem derartigen Friedensangebot nach Jerusalem gekommen war. Frau Meir antwortete „Ich verzeihe ihm alles, außer, dass er unsere Jungs gezwungen hatte, auf seine Jungs zu schießen“. Sadat lächelte dankbar, reichte ihr seine Hand und gab ihr das große arabische Kompliment für Weisheit mit den Worten „The old lady!“.  Im Orient galt damals noch hohes Alter als Synonym für Weisheit.

Wir, die sowohl den Jom Kippur Krieg 1973 als auch den Besuch Sadats im November 1977 erlebten, waren sehr dankbar, diesen Moment und den darauf folgenden Abschluss des Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten am 24. März 1978 in Camp David in den USA miterlebt haben zu können. Es war eine große Illustration und Manifestation davon, dass Menschen, die vergeben können, auch den Frieden erreichen können. 

Viele Beobachter der Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel haben die Meinung geteilt, dass die Tatsache, dass Präsident Sadat ein gläubiger Moslem war, Ministerpräsident Begin ein gläubiger Jude war, und der US-Präsident Jimmi Carter ein gläubiger Christ war, den drei Staatsmännern die nötige Demut mit auf den Weg der Verhandlungen gegeben hatte.

Diese Demut vor dem Schöpfer ist auch einer der Kerngedanken des Jom Kippurs.  

Sukkot – סוכות – Das Laubhüttenfest

Das Fest Sukkot סוכות (Laubhüttenfest) findet im 1. Monat, Tischrei statt, und dauert sieben Tage vom 15. des Monats an. Sukkot ist in Hebräisch die Pluralform von Sukka סוכה (eine Laubhütte). (Im Bild sehen wir an der Klagemauer in Jerusalem eine Sukka links oben.)

 

Das Fest Sukkot dient dazu, daran zu erinnern, dass die Kinder Israels nach dem Auszug aus Ägypten (Exodus ca. 1280 v.d.Z.) auf dem Weg in das Land Israel in Laubhütten übernachteten, nach dem sie Gott aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeholt hatte. Das biblische Gebot besagt, dass man sieben Tage lang in einer Laubhütte zu sitzen hat. An diesen Tagen (außer am ersten und letzten feierlichen Festtag) sind aber die meisten Arbeitstätigkeiten zugelassen. (Die Geschäfte sind z. B. offen. Schulen haben Schulfrei.) Sukkot ist einer der drei Pilgerfeiertage der Bibel, an denen man zur Tempelzeit nach Jerusalem gepilgert war. Sukkot heißt in der Thora u. a. auch das Erntefest. Am Ausgang des siebten Festtages findet der Feiertag „Schmini Azeret“ שמיני עצרת , der achte Tag, der Versammlungstag statt.

Der erste Tag von Sukkot ist ein Ruhetag und danach folgen sechs Feiertage, die keine werkfreien Tage sind. Auf Deutsch bedeutet der Name „Schmini Azeret“ „eine Versammlung am achten Tag“. Dieser Feiertag ist wieder ein Ruhetag. Im Lande Israel findet an diesem Tag (dem 22. Tischrei) auch das Fest „Simchat Thora“ (die Freude der Thora) statt. Simchat Thora wird außerhalb des Landes Israels am Tag nach „Schmini Azeret“ gefeiert. Das Fest Sukkot kommt zuerst im Buch „Schemot“ (2. Mose), Kap. 23, Verse 14, 15 vor, sowie in „Schemot“ Kap. 34, Vers 22,   „Wajikra“ (3. Mose) in Kap. 23, Verse 39 bis 43 und im Buch „BaMidbar (4. Mose) in Kap. 29, Vers 10 bis 39, als auch im Buche „Dewarim“ (5. Mose), Kap. 16, Verse 13 bis 16.

Die Laubhütte, also das Hauptmerkmal des Sukkot Feiertages, erinnert zum einen an die provisorische Übernachtung der Kinder Israels solange sie auf dem Weg in das gelobte Land Israel waren. Somit ist die Laubhütte das klassische Symbol für das Provisorische. Darüber hinaus erklären die Gelehrten, dass die Laubhütte daran erinnern soll, dass die Kinder Israels auf dem Weg von Ägypten bis zum Gelobten Land unter dem Schutz der Ehrenwolken (Ananei Ha Kawod ענני כבוד) gewesen sind. Die Ehrenwolken dienten auch dazu, den Kindern Israels tagsüber den Weg in der Wüste zu zeigen. Siehe im Buch Schemot (2. Mose), Kap. 13, Vers 21 und in Kap. 14, Vers 19. Später, nach der Errichtung der Stiftshütte, diente die Ehrenwolke auch dazu, den Kindern Israels zu signalisieren, dass man aufbrechen sollte, und bis zur nächsten Station mit der Stiftshütte weiterziehen sollte. Die besondere Weg weisende Funktion der Wolke ist im Buch Ba Midbar (4. Mose), Kap. 9, Vers 15 nachzulesen. Die Wolke wird auch im Psalm 105 und im Buche Nechemia, Kap. 9, Vers 12 erwähnt. Die Laubhütte des Festes Sukkot erinnert also stellvertretend an die Wunder, die Gott den Kindern Israels auf dem Weg in das Gelobte Land bescherte. Das Dach der Laubhütte (Sukka) wird normalerweise mit Palmenzweigen bedeckt. Dabei gilt, dass man soviel Freiraum zwischen den Zweigen lässt, dass man nachts durch das Dach mindestens drei Sterne sehen kann. Auch diese Beschaffenheit des Daches der Laubhütte soll einen an die Vorsehung erinnern. Eines der bekanntesten Bräuche des Laubhüttenfestes ist die Gast-freundschaft in der Sukka. Man lädt Gäste in die Sukka ein. Dabei sind die 7 Ehrengäste, die Uschpizin אושפיזין (auf Aramäisch Gäste) Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Mose, Aharon und David. (Bei manchen Volks-Gruppen wird Josef durch Salomon ersetzt.)

Im 3. Buch, Mose Kap. 23, in den Versen 39 bis 43 steht, dass der Sukkot-Feiertag ein Erntedankfest ist, wenn man die Weizenernte einsammelt. Es findet im Herbst statt. Seit dem 1. Pessach-Feiertag war im Anschluss an das Mussaf-Gebet das Gebet, in dem man um Tau bittet, gesprochen. Ab dem zweiten Tag von Sukkot ändert sich das Gebet von der Bitte um Tau zur Bitte um Regen (Birkat haGeschem bzw. Birkat Geschamim ברכת גשמים). Im Tempel fand eine diesbezügliche besondere Zeremonie statt, der Nissuch Majim (das Wassergiessen) auf dem Altar der Opfer, um damit die Bitte um ein Regen reiches Jahr zum Ausdruck zu bringen. Natürlich war der Regen für ein Volk, das sich von Landwirtschaft ernährte, von ganz besonderer Bedeutung. Das Tragen des Wassers in geschmückten Behältern vom Shiloach-Brunnen Jerusalems bis zum Tempel  war von Tänzen und freudigen musikalischen Zeremonien begleitet, genannt Simchat Beit HaSchoewa שמחת בית השואבה (die Freude des Wasserbrunnens). Man sagte, wer die Freude Jerusalems, die Simchat Beit HaSchoewa, nicht gesehen hat, habe keine Freude gesehen… Es ist laut dem Buch Dewarim (5. Mose), Kapitel 16, Vers 14 ein regelrechtes Gebot, an diesen Feiertagen fröhlich zu sein. Da der Feiertag am Ende der Erntezeit war, war die Freude auch groß.

Über das Gebot hinaus, in der Laubhütte zu sitzen, steht im obigen Text, dass man vier Pflanzen als Zeichen der Freude vor Gott darzubringen hat. Diese vier Pflanzen pflegt man traditionell die vier Minim ארבעת המינים (die vier Arten) zu bezeichnen. Diese sind: eine Zitrusfrucht Pri Ez Hadar פרי עץ הדר (die rabbinische Auslegung spricht von der Frucht, die Etrog אתרוג heißt), einen Lulaw לולב (ein Palmenzweig aus der Baumspitze), drei Myrthezweige, Hadas הדס, und 2 Äste von der Bachweide, Arwei Nachal ערבי נחל (Arwei ist die Pluralform von Arawa, einer Bachweide.). (Nicht zu verwechseln: Arawa ist auch die biblische Bezeichnung der Steppe zwischen dem Yam HaMelach, dem Toten Meer, und dem Roten Meer.) Es ist die Sitte, an den Tagen des Laubhüttenfestes, außer am Schabat-Ruhetag, die vier Arten mit zum Gebet in der Synagoge zu nehmen. Nach der Thoralesung pflegt man eine Runde (Hakafa) gegen die Uhrzeigerrichtung rund um den zentralen Tisch der Synagoge, auf dem die Thorarolle beim Gebet gestellt ist, gemeinsam zu gehen bzw. zu tanzen. (Außerhalb der Lesezeiten der Thora werden die Thora-Rollen im Aron HaKodesch ארון הקודש, dem Schrank des Heiligtums (Thora = Heiligtum) an der Ostwand der Synagoge, also nahe Richtung Jerusalems, aufbewahrt. Am siebten Tag geht man bzw. tanzt man siebenmal um den Thora-Tisch. So erinnern sowohl die sieben Tage des Festes als auch die sieben Runden (Hakafot) an die sieben Tage der Schöpfung.

Die 4 Arten (4 Minim ארבעת המינים) stehen symbolisch für die 4 Typen der Gesellschaft der Kinder Israels: Der Etrog (die Zitrusfrucht) steht für einen Baum, der sowohl Geruch als auch Geschmack hat. Dies entspricht der Person, die sowohl die Thora-Gebote lernt, als auch diese mit guten Taten umsetzt. Der Lulaw (die Palmen-Spitze) erinnert an die gut schmeckenden Datteln, aber hat keinen Geruch. Der Lulaw steht also für die Person, die Thora lernt, aber keine gute Taten dem Lernen folgen lässt. Der Haddas הדס (die Myrthe) hat einen wunderbaren Geruch, aber keinen Geschmack. Die Myrthe steht also für eine Person, die Gutes tut, aber die Thora nicht lernt. Die Arawa ערבה (die Bachweide) hat weder Geschmack noch Geruch. Sie entspricht einer Person, die weder Thora lernt, noch Gutes tut. So erkennt man die vier Arten der Kinder Israels. Und man pflegt die Palmenspitze gemeinsam mit den 3 Myrthen-Zweigen und den zwei Bachweidenzweigen fest zusammen in einer Hand zu halten. Das erinnert daran, dass auch dünne Äste, die einzeln sehr biegsam und zerbrechlich sind, stark und unzerbrechlich werden können, sobald sie gebunden (also gemeinsam) sind. Dies soll den Gedanken illustrieren, dass sobald die Kinder Israels gemeinsam sind, sie durch die Gemeinschaft stark werden.

Eine archäologische Belegung der Sitte: Eine uralte Münze aus der Zeit des jüdischen Bar-Kochba-Aufstandes gegen die Römer im Jahre 135 zeigt die 4 Arten, und illustriert die uralte Tradition.

Während der Sukkot-Feiertage pflegt man die Sitte, im Synagogen-Gebet die 4 Arten zu halten, und sie schüttelnd in die 4 Windrichtungen (laut Rabbiner HaAri in der Reihenfolge nach Süden, Norden, Osten, nach Oben, nach Unten und nach Westen) zu bewegen. Dabei spricht man ein Psalmgebet, „Ana Adonai Hoschia na“ אנא ה‘ הושיעה נא (Bitte, Ewiger, erlöse uns“). Daher heißen diese Riten die Hoscha’anot, die Erlösungsgebete. Am letzten Wochentag des Sukkot-Feiertages pflegt man besonders viele Bitten zu äußern. Daher heißt der Tag vor Schemini Azeret Hoscha’ana raba (Viele Erlösungsbitten). Der Brauch ist, mit 5 Zweigen der Bachweide auf den Boden zu schlagen, um seine Sünden nochmals rechtzeitig noch an diesem Tag abzuschütteln, da am nächsten Tag das Urteil Gottes über die Menschen rechtskräftig werde, das am Rosch HaSchana gefällt wurde, und am Jom Kippur besiegelt wurde. So besagt die jüdische Tradition.

Zur Tempelzeit hat man eine Reihe von täglichen Opfern an den Sukkot-Feiertagen dargebracht. Die Mussaf-Opfer bestanden aus Stieren, Widdern und Schaafen. Die Widder sollen bekanntlich den Ewigen an Abraham und die Bindung Isaaks erinnern. Zusammen genommen waren es in den 7 Tagen 70 Opfertiere an der Zahl. Manche Gelehrte deuteten die Zahl 70 in Zusammenhang der 70 Nationen, die in der Bibel genannt werden. Dieser universelle Bezug des Thora-Gebotes wird im Buch Zacharia in Kapitel 14 deutlich unterstrichen. Heutzutage pflegen Tausende Christen auch deswegen am Jerusalemmarsch während des Sukkot-feiertages teilzunehmen.

Am zweiten Tag des Laubhüttenfestes im Schemita-Jahr (dem siebten Jahr, dem Ruhejahr des Bodens) hat man gemäß des Gebotes im Buch Dewarim (5. Mose) Kapitel 31 in den Versen 9-13 das Volk versammelt, um gemeinsam Thora-Unterricht der Weisen zu erleben. Dieses Gebot des Hakhels  הקהל war eine außerordentlich feierliche Großzeremonie mit Tausenden Menschen. Unter anderem wurde das zentrale Gebet „Höre Israel“ שמע ישראל vom  5. Mose, Kap. 6, Vers 4 laut gesprochen. In diesem Satz bekundet man den Glauben an einem Gott.

Seit 1946 pflegt man in Jerusalem das Gebot des Hakhels vor dem Kotel (der Klagemauer) mit großem Zeremoniell abzuhalten. 1994 hat sogar Israels damaliger Staatspräsident Chaim Herzog öffentlich aus der Thora beim Hakhel gelesen. Herzog stammte aus einer berühmten Rabbinerfamilie.

Es kann an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Bibel-Buch des Königs Salomon Kohelet קהלת heißt. Wie oben erklärt, bedeutet Hakhel „zu versammeln“ und Kohelet bedeutet „Der Versammler“. Die bekannte deutsche Bezeichnung des Bibel-Buches mit Prediger ist also leider nicht nur wörtlich, sondern auch inhaltlich falsch. Denn, König Salomon nannte sein Buch Kohelet, um das Volk zum gemeinsamen Thora-Lernen rund um die Thora-Rolle einzuladen, also zu versammeln. Salomon wollte nicht einspurig als ‚Prediger‘ das Volk belehren. (Zu den richtigen Übersetzungen der Namen der Bücher der Bibel werden Sie in meinem sich im Arbeitsstadium befindlichen Bibel-Kommentar-Buch Weiteres hoffentlich bald lesen können. Unterstützer und Förderer des Buch-Projekts sind herzlich willkommen. Einzelheiten per Email bei lipinskiari@gmail.com gern erhältlich.)

Sukkot ist laut dem Propheten Amos sowohl die trostvolle Verheißung als auch das Gebot, das Land Israel zu besiedeln: Kapitel 9, Vers 11: „An jenem Tage werde ich die verfallene Hütte Davids aufrichten und ihre Risse vermauern und ihre Trümmer aufrichten, und ich werde sie bauen wie in den Tagen vor alters (der Vorzeit)“. (Elberfelder Übersetzung)

Simchat Thora שמחת תורה (Die Freude der thora): Am letzten Tag des Sukkot-Festes, am Schemini Azeret, schließt man die Lesung des letzten Wochenabschnitts der Thora ab, und beginnt sofort im Anschluss daran mit der öffentlichen Lesung des ersten Wochenabschnitts im ersten Buch der Thora, Bereschit (1. Mose), dem Abschnitt Bereschit (Am Anfang). Die große Freude darüber, dass man die Thora (die fünf Bücher Mose) zu Ende gelesen hat, ist sehr groß. Den Mann, der mit der Lesung des ersten Wochenabschnitts, Bereschit, geehrt wird, nennt man Chatan Bereschit חתן בראשית (Der Bräutigam des Bereschit-Abschnitts). Die Thora gilt als eine Braut des Volkes Israels. Am Abend nach Ausgang des Schemini Azeret-Festtages begeht man die Freude über die Thora-Lesung damit, dass man die Thora-Rollen sogar aus der Synagoge herausholt und auf Tischen draußen (sogar mitten auf den Straßen, oder auf öffentlichen Bühnen und Plätzen) stellt. Besondere Bibel-Verse werden gelesen, und dann tragen Männer die Thora-Rollen in Runden (den sogenannten zweiten Hakafot הקפות שניות) um die Thora-Tische. Es ist eine besondere Ehre und Freude, wenn man zum Tragen der Thora-Rolle eingeladen wird. Meistens verbindet man mit der Ehrung als Dank eine Spende für die Armen bzw. für die Synagoge zum Erhalt der Thora-Rollen. Es werden 7 Umrundungen (Hakafot) vorgenommen. Man tanzt dabei mit den Thorarollen, und alle (auch Frauen und Kinder) können die Thora-Rollen anfassen bzw. küssen. (In den Synagogen sind meistens die Bereiche für Männer und Frauen getrennt. Die Thora-Lesung wird von Männern vorgenommen. In den modernen Reform-Synagogen gibt es die Trennung der Bereiche von Männern und Frauen nicht. Es gibt auch Reform-Rabbinerinnen und Vorbeterinnen.)

Die Tatsache, dass die Thora-Rollen geschlossen getragen und gefeiert werden, soll unterstreichen, dass jeder vom Volke Israel einen unmittelbaren Bezug zur Thora hat, ungeachtet dessen, ob er viel oder wenig Thora gelernt hat! Alle sind gleich in der Nähe zur Thora!

Laut dem großen Gelehrten Don Isaak Abrabanel (1437 -1508) hat das Fest Simchat Thora seine Wurzel im Land Israel in der Tradition des Hakhels. Laut Abrabanel hat der Hohe Priester am Schmita-Jahr die Thora-Lesung vor dem Volk am Ende des Laubhütten-Festes Sukkot, am Schemini Azeret, der Freude der Thora beendet. (Quelle: Abrabanel zu Dewarim (5. Mose) Kapitel 31, im Wochenabschnitt WaJelech.)

(Der obige Text und die Fotos stehen unter Copyright © von Ari Lipinski. Sie sind Ausschnitte aus dem Bibel-Kommentar-buch von Ari, das in Vorbereitung ist.)

             

Chanukka – חנוכה – Das Lichterfest

 

3.2016.Chanukka-das-Lichterfest-Fest-der-Religionsfreiheit-Artikel-von-Ari-Lipinski

Tu BiSchwat – טו בשבט – Das Neujahr der Bäume erklärt von Ari Lipinski.

(Ari Lipinski war früher der Hauptdelegierte in Deutschland von Israels Aufforstungs-Organisation KKL.)

TU BISCHWAT – das jüdische Neujahr der Bäume / des Baumes

(Auf Hebräisch:Rosch HaSchana LaIlanot / Rosch HaSchana la Ilan).

IsraeliStamps 7 Species

Tu Bischwat bedeutet auf Deutsch „der 15. des Monats Schwat“. Rosch HaSchana la Ilan bedeutet: „Neujahr des Baumes“.

In Israel hat das Volk Israel in den letzten 100 Jahren ca. 240 Millionen gepflanzt. In der Woche des Neujahrs der Bäume, Tu BiSchwat, pflanzt fast jedes Schulkind einen Baum. Israel ist der einzige Staat weltweit, der heute mehr Bäume hat, als vor 100 Jahren. Der Baum hat also im Judentum und im Staat Israel einen besonderen Stellenwert.

KNESSET BIRTHDAY is TU BISHVAT

Der Gründungstag des israelischen Parlaments, der Knesset ist am Neujahr der Bäume Tu Bischwat.

In vielen Ländern werden ganze Wälder weg gerodet, um Tabak anzubauen, oder um die Urbanisierung, oder z.B. den Straßenbau voran zu bringen. Der Schutz der Wälder und der grünen Lungen sind für uns Menschen und für die Erhaltung des Planeten Erde sehr wichtig. Daher ist der jüdische Neujahr der Bäume Tu BiSchwat eigentlich von universeller Bedeutung. Viele Touristen pflegen in Israel einen Baum mit eigener Hand zu pflanzen. Lassen Sie uns deswegen etwas mehr über Tu Bischwat erfahren.

Der jüdische Kalender enthält seit biblischer Zeit 4 verschiedene Termine, die als Neujahr bezeichnet werden: Rosch HaSchana am 1. des Monats Tischrei, Tu Bischwat am 15. des Monats Schwat, Neujahr der Könige am 1. des Monats Nissan und das Neujahr am 1. des Monats Elul. Drei dieser Termine (also außer den 1. Nissan) dienten auch zur Berechnung des Zehnten, der 10-prozentigen Steuer aus dem landwirtschaftlichen Ertrag.

Der erste und bekannteste unter den vier Neujahrsterminen ist Rosch HaSchana. Das ist das kalendarische Neujahr zu Beginn des Monats Tischrei (im Herbst ca. in September / Oktober). Im heutigen Staat Israel gehört Rosch HaSchana zu den gesetzlichen jüdischen werkfreien Feiertagen. Nach jüdisch-biblischer Tradition gilt Rosch HaSchana als der Tag, an dem Adam (der erste Mensch) von Gott erschaffen wurde. Bekanntlich war es der sechste Tag der Schöpfung. Rosch HaSchana diente zur Bibelzeit sowohl zur Berechnung der Amtszeiten der Könige Israels als auch zur Zählung der Pilgerfeiertage. Daraus ergab sich, dass Rosch HaSchana zur Bestimmung des Ruhejahres, Schnat Schemita, und des Jubeljahres (Schnat HaJowel) maßgeblich war. Rosch HaSchana war auch der Stichtermin zur Berechnung der Neupflanzungen und des Ertrages vom Gemüse des Feldes. (Wir beachten also, dass Rosch HaSchana zur Berechnung des Zehnten für Gemüse galt, während Tu Bischwat zur Berechnung des Zehnten vom Obst der Bäume zugrunde gelegt wurde.

Das zweite Neujahr ist das Neujahr der Bäume, Tu Bischwat (ca. Ende Januar bzw. Februar). Tu Bischwat ist der terminliche Stichtag zur Berechnung des Zehnten vom Obst der Bäume als auch zur Berechnung der Erstlinge, die man aus den Sieben Arten des Landes Israels zum Tempel zwischen dem Wochenfest Schawuot (im Frühling) und bis zum Laubhüttenfest, Sukkot (im Herbst) darbringen sollte. (Die 7 Arten sind: Weizen, Gerste, Olive, Feige, Granatapfel, Dattel, Weintraube.)

Am ersten des Frühlingsmonats Nissan fängt das Jahr zwecks der Berechnung der Herrschaft von Königen an. Siehe 2. Mose (Schemot) Kap. 12, Verse 1,2).

Am ersten des Monats Elul (im Hochsommer) fängt das Jahr an, nachdem man den Zehnten aus dem Ertrag aus der Viehwirtschaft errechnet. Diesen Termin haben die Gelehrten der Mischna-Zeit festgelegt.

Tu Bischwat galt seit der Zeit der Mischna als der Termin zur Berechnung der Obst-Ernte der Bäume. Diverse Gebote der Thora (5 Bücher Mose) legten die Bestimmungen für den „Zehnten“ (Steuern, der zehnte Teil) fest. Die Erhebung des „Zehnten“ war in der Bibelzeit erforderlich, um den Unterhalt der Priester (Kohanim), der Leviten und der Armen zu ermöglichen. Es handelt sich also beim „Zehnten“ um eine göttliche Vorschrift. Da die Priester und der gesamte Stamm Levi sich dem Gottesdienst zuerst in der Stiftshütte und später im Tempel widmen mussten, erhielten sie keine Grundstücke zum eigenen landwirtschaftlichen Unterhalt im Lande Israel.

Solange die Kinder Israels in der Wüste Sinai auf dem Weg zum gelobten Land waren, versorgte sie Gott mit Manna und allem, was zum Unterhalt nötig war, wie z. B. Fleisch und Wasser.

Die Bestimmungen des „Zehnten“ betrafen den landwirtschaftlichen Ertrag der Kinder Israels im Lande Israel. (Im Lande Israel hat die Umsetzung des Zehnten erst mehrere Jahre nach dem Einzug von Josua in Kanaan angefangen, also erst seit dem man zum eigenen landwirtschaftlichen Ertrag im Heiligen Land gekommen war.)

Da der landwirtschaftliche Ernte von Obstbäumen und von Gemüse bzw. von Weizen in unterschiedlichen Jahreszeiten eingesammelt wird, war es erforderlich, für die Bestimmungen des „Zehnten“ unterschiedliche Stichtermine zu vereinbaren. Je nach der Art des landwirtschaftlichen Ertrages aus dem Feld, der Plantage oder aus der Viehzucht gab es den jeweils dafür relevanten Stichtag.

Tu Bischwat war in der Mischna-Zeit als der Stichtag zur Berechnung des Zehnten vom Obst der Bäume vereinbart worden. Es hat eine große Debatte in der Versammlung der 71 Rabbiner des Sanhedrins nach der Zerstörung des zweiten Tempels gegeben. Die Anhänger des Rabbiner Schamai wollten den 1. des Monats Schwat nehmen. Die Anhänger von Rabbiner Hillel wählten den 15. des Monats Schwat, also Tu Bischwat, aus. Ihre terminliche Präferenz des Tu Bischwat ist bis heute maßgeblich.

Im babylonischen Talmud im Traktat Rosch HaSchana, Kap. 1, Vers 1 steht die Meinungsverschiedenheit zwischen Haus Schamai und den Gelehrten aus dem Hause Hillel, ob das Neujahr des Baumes am 1. des Monats Schwat oder am 15. des Monats Schwat (also am Tu BiShvat) stattfinden sollte.

Im selben Traktat in Kap. 14, Vers 1 steht als Grund für den Termin 1. des Monats Schwat, dass bereits die meisten Regen wohl zu ende seien. Ein weiterer Grund des Hauses Schamai war an der o. g. Stelle, dass bereits ab 1. des Monats Schwat die ersten Knospen der Obstbäume zu finden wären.

Die Anhänger des Hauses Hillel meinten, dass sowohl hinsichtlich des Regens als auch hinsichtlich der Knospen der 15. des Monats Schwat, also Tu Bischwat zutreffender wäre.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die biblischen Bestimmungen und deren Auslegungen durch die Gelehrten der Mischna-Zeit von Tu Bischwat kritisch waren, weil in den ersten vier Jahren nach der Pflanzung eines Obstbaumes seine Früchte nicht zu verzehren waren.

Wozu war die Terminbestimmung so wichtig? Antwort: Um die Steuer des Zehnten berechnen zu können, wollte man nicht die reife Frucht zu einem späten Termin während der Ernte-Arbeit zählen. Das würde die Erntearbeit in der Hochsaison behindern. Vor diesem Hintergrund hat man beschlossen, dass man den Anfang des Frühlings zur Zählung der Obstknospen festsetzt. (Der „Steuersatz“ hat bereits berücksichtigt, dass ein Teil der Knospen bzw. ein Teil einer sonstigen Ernte letztendlich als Abfall verloren gehen würde.)

Beim „Zehnten“ gibt es sowohl Pflichtteile als auch Spenden. Die Steuer heißt in der Thora „Maasser Rischon“ (der erste Zehnte). Dieser betraf 10 % von allen Früchten des Feldes, die der Feldinhaber den Leviten darbrachte. Ferner ist in der Bibel die Rede von „Teruma Gedola“ (Große Hebe, große Spende). Die Mischna-Gelehrten schätzten sie auf ca. 2 % vom landwirtschaftlichen Ertrag, die der Feldinhaber dem Priester gab. Der Begriff der Spende des Zehnten (Hebe des Zehnten) betraf 1 % von allen Früchten. Praktisch bedeutete die Hebe des Zehnten / die Spende des Zehnten, dass 10 % vom Zehnten, die der Leviter vom Feldinhaber bekam, an den Priester (Kohen) ging. Es sei daran erinnert, dass nur ein kleiner Anteil aus dem Stamm Levi Priesterfunktionen erfüllte. Ein Kohen (in Plural auf Hebräisch „Kohanim“) ist auf jeden Fall auch aus dem Stamme Levi gewesen. Aber nicht jeder aus dem Stamm Levi war ein Priester (ein Kohen).

Außer dem „Maasser Rischon“ (dem ersten Zehnten) gab es den zweiten Zehnten, der auch „Maasser Ani“ (der Zehnte des Armen) genannt wurde. In manchen Jahren durfte der Feldinhaber diesen Zehnten verspeisen, in anderen Jahren gab er diesen zweiten Zehnten den Armen zur Speise.

Ein zentraler Brauch am Tu Bischwat im Lande Israel und im Exil im Ausland ist seit Jahrhunderten die Speise aus den 7 Arten des Landes Israel. Der Brauch hat sich in den letzten 500 Jahren erweitert. Man pflegt, 15 Sorten von Obst bzw. von ge- trockneten Früchten auf dem Fest-Tisch anzubieten, um an die Zahl 15 des Monats Schwats zu erinnern. Man ordnet die Sitte dem berühmten Kabbalisten aus Safed, dem AR”I (Rabbi Jizhak Ben Shlomo Lurie Ashkenasi, genannt Ashkenasi Rabbi Isaak vom 16. Jhd.)  zu.

Im Lande Israel hat sich seit 1884 der Brauch mit der Pflanzung von 1500 Obstbäumen etabliert, zu Tu Bischwat Bäume im Lande Israel zu pflanzen. Der Brauch ist mit der wachsenden jüdischen Rückkehr in das Land immer stärker geworden. Heutzutage pflanzen die Kinder Israels bereits über 600.000 Bäume in der Woche des Tu Bischwat! Die drei großen Baumschulen des KKLs (der israelischen Aufforstungs- und Bodenerwerb-Organisation) in Gilat bei Beer Scheba, in Eshtaol unweit Jerusalem und an der Golani-Kreuzung im Galilea produzieren mehr als 1.800.000 Bäume im Jahr. Allerdings in diesem jüdischen Jahr 5775 werden wegen des siebten Ruhejahres (Schemita-Jahr) keine Bäume gepflanzt.

TU BISCHWAT – BRÄUCHE UND SITTEN
Es gibt eine Vielfalt von Bräuchen und Sitten, wie Tu Bischwat früher im Exil in den verschiedenen Ländern von Marokko bis Persien und von Jemen bis Deutschland üblich waren. Der gemeinsame Nenner dieser Bräuche bestand darin, Obstarten zu essen, die an das Land Israel erinnerten. Im Orient pflegte man besonders Mandeln, Nüsse sowie getrocknete Früchte anzubieten. Dazu zählten z. B. vor allem trockene Feigen, Rosinen, trockene Datteln usw.. Je nach der geografischen Lage einer jüdischen Gemeinde gab es Unterschiede in den Texten und Liedern, die zur Tu Bischwat-Feier gehörten. Im heutigen Israel hat man gern eine Art Synthese der unterschiedlichen Traditionen der Herkunftsländer der Juden entwickelt. Unter den 6 Millionen Juden im heutigen Israel sind über 2,6 Millionen als „Olim“ (Einwanderer nach Israel werden „Aufsteiger“ genannt) aus über 120 verschiedenen Ländern zurückgekehrt.

Die drei Hauptmerkmale von Tu Bischwat im heutigen Israel sind:
Die Pflanzung von Bäumen. Wie oben erwähnt werden in der Woche von Tu Bischwat durch israelische Schulkinder über 600.000 Baumsetzlinge überall im Land im Kibbuz, in der Stadt, im Moschav, im Galilea-Gebirge, in den Bergen Jerusalems und sogar in der Wüste Negev gepflanzt. Die fröhlichen Pflanzzeremonien werden sehr bunt und musikalisch meist im Rahmen von schulischen Tagesausflügen gestaltet. Viele pflegen, bei der Pflanzung auch ein Pflanzgebet auszusprechen. (Den Text des Pflanzungsgebetes können sie hierunter finden.) Der biblische Ursprung der wichtigen Handlung der Pflanzung steht im 3. Buch Mose, Kap. 19, Vers 23 „Wenn ihr in das Land kommt und allerlei Bäume pflanzt, davon man ißt…..“.

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Die charakteristische Festspeise besteht aus einer Vielzahl von getrockneten Früchten aller Art und einer Vielfalt von Mandeln und Nüssen. Man versucht, 15 Sorten von Obst zu haben, um an das Datum 15. des Monats Schwat zu erinnern. Die meisten Nahrungsmittel-Supermärkte und Läden bieten dekorative Körbe mit getrockneten Früchten an.
• An öffentlichen Schulen sowie in den Printmedien und elektronischen Medien werden der Ursprung und die Sitten präsentiert. Manche legen den Schwerpunkt auf die biblischen Texte und die Erläuterungen der Gelehrten. Andere erfreuen sich an der umweltorientierten Umsetzung der Feierlichkeiten. Die allermeisten Israelis freuen sich, die moderne Umweltbezogene Tu Bischwat – Umsetzung in der biblischen Tradition der Bewahrung der Schöpfung begründet zu finden. In religiösen Schulen, Hochschulen und in den Synagogen werden Thora- und Kommentar-Texte besprochen, die den Ursprung des Festes erklären.

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Seder Tu Bischwat / Hagadda zu Tu Bischwat: In Anlehnung an die traditionellen Schriften über das Festessen zu Beginn des Pessach-Festes, des sogenannten Seder-Abend (Leil HaSeder), hat man Schriften mit Anleitungen für die Festspeise am Abend zu Beginn von Tu Bischwat zusammengestellt, die auch Hagadda genannt werden. Darum heißen diese Tu Bischwat – Anleitungen auch „Seder-Tu Bischwat„.

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besonderer hebräischer Bibel-Begriffe.

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3-2017-TU-BiSHVAT-Abrabanel-Thora-Kommentar-Artikel-von-Ari-Lipinski

3-2016-TU-BiSHVAT-Abrabanel-Thora-Kommentar-von-Ari-Lipinski

TU BiSHVAT – Abravanel Torah Comment – Article Ari Lipinski 2-2015

Weitere Erklärungen der Sitten und Bräuche des Tu Bischwat-Festes sowie Erläuterung der hebräischen Begriffe, die damit verbunden sind, werden bald mit Bildern zu diesem Webseiten-Beitrag hinzu gefügt. Schauen Sie also bald wieder in meine Webseite rein.

Purim – פורים – Erinnerung an das Los Hammans zur Vernichtung der Juden im Buch Esther.

24.3.2016-PURIM-Artikel-von-Ari-Lipinski

Purim Article by Ari Lipinski 05.03.2015

Pessach פסח , Chag HaMazzot חג המצות Der Auszug aus Ägypten, Das Fest des ungesäuerten Mazze-Brotes

Obwohl im Volksmund von einem Fest, Pessach, die Rede ist, handelt es sich laut der Thora im 2. Mose (Schemot) um zwei Feste: Der erste Tag ist Pessach zur Erinnerung an das Pessach-Opfer in der Nacht der 10. Plage über Ägypten, und um 7 Tage, an denen man nur ungesäuertes Brot isst, um an die Eile des Exodus aus Ägypten zu erinnern.  

MAZA-SHMURA,-Foto-Ari-Lipinski-Copy-rightMatza-High-Fiber-Foto-Ari-Lipinski-©

Bild links oben: Mazza Schmura (Eine bewahrte Mazza). Eine besondere Mazza, bei deren Vorbereitung bereits von der Ernte des Weizens am Felde die Körner vor dem Kontakt mit jeglicher Feuchtigkeit bzw. mit Wasser oder Häfe bewahrt werden, um jeden Säuerungsprozess zu verhindern. Der Transport und die Produktion finden nur mit eigens für Pessach strikt von Häfe und von Feuchtigkeit freien Mitteln statt.  Denn es gilt laut der Vorschrift der Thora im 2. Mose (Buch Schemot), dass man ungesäuertes Brot essen solle.

Im Bild rechts oben sehen wir eine Standard-Mazza mit der viereckigen Form. Sie ist auch ungesäuertes Brot. Allerdings wurde nur das Mazze-Mehl beim raschen Backvorgang davor bewahrt, dass es nicht säuerlich werde. Ob die Weizenkörner auf dem Weg bis zur Mehlproduktion feucht geworden waren ist unbekannt. Der Hersteller verpflichtet sich nur für die Koscher-für Pessach-Kontrolle in der Bäckerei, nicht für die Vorgänge vom Feld bis zur Bäckerei.

3-2017-PESSACH-Abarbanel-Fragen-zur-Haggada

3-2016-PESSACH-5769-Abarbanel-Fragen-zur-Hagada

Ari-Lipinski-Article-Abravanel-Commentary-Pesach-a-Holiday-of-Questions

Heutzutage gibt es eine Vielfalt von Mazza-Brote (Das Bild stammt von Jacques Korolnyk).

Lag BaOmer – ל“ג בעומר – Der 33. Tag der Zählung des Omers (der Ähren) seit Pessach / Seit der Staatsgründung Israels dient auch zur Erinnerung an den jüdischen Aufstand von Bar Kochba gegen die Römer  in den Jahren 132-135

Schawuot – שבועות – Das Wochenfest

Schawuot-Das Wochenfest-5-2017

Fastentage:

Zom Gedalia am 3. Tischrei (3. Tag nach Beginn des Jahres)

Fasten 10. Tewet – Fasten zur Erinnerung an Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar im Jahre 588 v.d.Z. Eineinhalb Jahre später zerstörte der König Babiloniens Jersalem und den ersten Tempels 586 v.d.Z.

Taanit Esther – Fasten Esther

Zom 17. Tamuz – Fasten zur erinnerung an den Fall der Mauer Jerusalems. An einem 17. Tamuz ereignete sich die Sünde vom Goldenen Kalb der Kinder Israels, als Mose mit den ersten zwei Tafeln der 10 Gebote (10 Dibrot) vom Berge Sinai herunter kam. (Ca. 1250 v.d.Z.)

Zom 9. Av – Fasten zur Erinnerung an die Zerstörung  des ersten Tempels im Jahre 586 v.d.Z. durch Nebukadnetzar aus Babylonien und des zweiten Tempels im Jahre 70 n.d.Z. durch den Römer Titus. Es war auch der 9. Av als die Römer unter Quintus Tineius Rufus Jerusalem pflügten und mit Salz den Boden säten, um die Zerstörung der stadt zu demonstrieren. Am selben Datum, aber Jahrhunderte früher, ereignete sich die Sünde der Kundschafter (10 von 12 glaubten nicht daran, dass man das Land Israel einnehmen könnte, weswegen das Volk weitere 40 Jahre in der Wüste wanderete), und der Fall der Festung Beitar von Bar Kochba im Jahre 135 v.d.Z.. Weitere bekannte tragische Begebenheiten jüdischer Geschichte am selben Datum fanden 1492 und 1942 statt. 1492 war die Vertreibung der Juden aus Spanien. 1942 begann die massive Deportation der polnischen Juden aus dem Warschuer Ghetto durch die deutschen SS-Truppen in die Nazi-Vernichtungslager Auschwitz und Treblinka.

Ari Lipinski mit Tefilin (Gebetsriemen am Kopf und am linken Arm) am Kotel (Klagemauer) in Jerusalem.

 

 

 

 

 

 

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