languages

SUKKOT – Das Laubhüttenfest, SIMCHAT THORA – Die Freude der Thora

Das Fest Sukkot סוכות (Laubhüttenfest) findet im 1. Monat, Tischrei statt, und dauert sieben Tage vom 15. des Monats an. Sukkot ist in Hebräisch die Pluralform von Sukka סוכה (eine Laubhütte). Siehe auch unter Jüdische Feiertage erklärt von Ari Lipinski. (Im Bild sehen wir an der Klagemauer in Jerusalem eine Sukka links oben.)

Das Fest Sukkot dient dazu, daran zu erinnern, dass die Kinder Israels nach dem Auszug aus Ägypten (Exodus ca. 1280 v.d.Z.) auf dem Weg in das Land Israel in Laubhütten übernachteten, nach dem sie Gott aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeholt hatte. Das biblische Gebot besagt, dass man sieben Tage lang in einer Laubhütte zu sitzen hat. An diesen Tagen (außer am ersten und letzten feierlichen Festtag) sind aber die meisten Arbeitstätigkeiten zugelassen. (Die Geschäfte sind z. B. offen. Schulen haben Schulfrei.) Sukkot ist einer der drei Pilgerfeiertage der Bibel, an denen man zur Tempelzeit nach Jerusalem gepilgert war. Sukkot heißt in der Thora u. a. auch das Erntefest. Am Ausgang des siebten Festtages findet der Feiertag „Schmini Azeretשמיני עצרת , der achte Tag, der Versammlungstag statt.

Der erste Tag von Sukkot ist ein Ruhetag und danach folgen sechs Feiertage, die keine werkfreien Tage sind. Auf Deutsch bedeutet der Name „Schmini Azeret“ „eine Versammlung am achten Tag“. Dieser Feiertag ist wieder ein Ruhetag. Im Lande Israel findet an diesem Tag (dem 22. Tischrei) auch das Fest „Simchat Thora“ (die Freude der Thora) statt. Simchat Thora wird außerhalb des Landes Israels am Tag nach „Schmini Azeret“ gefeiert. Das Fest Sukkot kommt zuerst im Buch „Schemot“ (2. Mose), Kap. 23, Verse 14, 15 vor, sowie in „Schemot“ Kap. 34, Vers 22,   „Wajikra“ (3. Mose) in Kap. 23, Verse 39 bis 43 und im Buch „BaMidbar (4. Mose) in Kap. 29, Vers 10 bis 39, als auch im Buche „Dewarim“ (5. Mose), Kap. 16, Verse 13 bis 16.

Die Laubhütte, also das Hauptmerkmal des Sukkot Feiertages, erinnert zum einen an die provisorische Übernachtung der Kinder Israels solange sie auf dem Weg in das gelobte Land Israel waren. Somit ist die Laubhütte das klassische Symbol für das Provisorische. Darüber hinaus erklären die Gelehrten, dass die Laubhütte daran erinnern soll, dass die Kinder Israels auf dem Weg von Ägypten bis zum Gelobten Land unter dem Schutz der Ehrenwolken (Ananei Ha Kawod ענני כבוד) gewesen sind. Die Ehrenwolken dienten auch dazu, den Kindern Israels tagsüber den Weg in der Wüste zu zeigen. Siehe im Buch Schemot (2. Mose), Kap. 13, Vers 21 und in Kap. 14, Vers 19. Später, nach der Errichtung der Stiftshütte, diente die Ehrenwolke auch dazu, den Kindern Israels zu signalisieren, dass man aufbrechen sollte, und bis zur nächsten Station mit der Stiftshütte weiterziehen sollte. Die besondere Weg weisende Funktion der Wolke ist im Buch Ba Midbar (4. Mose), Kap. 9, Vers 15 nachzulesen. Die Wolke wird auch im Psalm 105 und im Buche Nechemia, Kap. 9, Vers 12 erwähnt. Die Laubhütte des Festes Sukkot erinnert also stellvertretend an die Wunder, die Gott den Kindern Israels auf dem Weg in das Gelobte Land bescherte. Das Dach der Laubhütte (Sukka) wird normalerweise mit Palmenzweigen bedeckt. Dabei gilt, dass man soviel Freiraum zwischen den Zweigen lässt, dass man nachts durch das Dach mindestens drei Sterne sehen kann. Auch diese Beschaffenheit des Daches der Laubhütte soll einen an die Vorsehung erinnern. Eines der bekanntesten Bräuche des Laubhüttenfestes ist die Gast-freundschaft in der Sukka. Man lädt Gäste in die Sukka ein. Dabei sind die 7 Ehrengäste, die Uschpizin אושפיזין (auf Aramäisch Gäste) Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Mose, Aharon und David. (Bei manchen Volks-Gruppen wird Josef durch Salomon ersetzt.)

Im 3. Buch, Mose Kap. 23, in den Versen 39 bis 43 steht, dass der Sukkot-Feiertag ein Erntedankfest ist, wenn man die Weizenernte einsammelt. Es findet im Herbst statt. Seit dem 1. Pessach-Feiertag war im Anschluss an das Mussaf-Gebet das Gebet, in dem man um Tau bittet, gesprochen. Ab dem zweiten Tag von Sukkot ändert sich das Gebet von der Bitte um Tau zur Bitte um Regen (Birkat haGeschem bzw. Birkat Geschamim ברכת גשמים). Im Tempel fand eine diesbezügliche besondere Zeremonie statt, der Nissuch Majim (das Wassergiessen) auf dem Altar der Opfer, um damit die Bitte um ein Regen reiches Jahr zum Ausdruck zu bringen. Natürlich war der Regen für ein Volk, das sich von Landwirtschaft ernährte, von ganz besonderer Bedeutung. Das Tragen des Wassers in geschmückten Behältern vom Shiloach-Brunnen Jerusalems bis zum Tempel  war von Tänzen und freudigen musikalischen Zeremonien begleitet, genannt Simchat Beit HaSchoewa שמחת בית השואבה (die Freude des Wasserbrunnens). Man sagte, wer die Freude Jerusalems, die Simchat Beit HaSchoewa, nicht gesehen hat, habe keine Freude gesehen… Es ist laut dem Buch Dewarim (5. Mose), Kapitel 16, Vers 14 ein regelrechtes Gebot, an diesen Feiertagen fröhlich zu sein. Da der Feiertag am Ende der Erntezeit war, war die Freude auch groß.

Über das Gebot hinaus, in der Laubhütte zu sitzen, steht im obigen Text, dass man vier Pflanzen als Zeichen der Freude vor Gott darzubringen hat. Diese vier Pflanzen pflegt man traditionell die vier Minim ארבעת המינים (die vier Arten) zu bezeichnen. Diese sind: eine Zitrusfrucht Pri Ez Hadar פרי עץ הדר (die rabbinische Auslegung spricht von der Frucht, die Etrog אתרוג heißt), einen Lulaw לולב (ein Palmenzweig aus der Baumspitze), drei Myrthezweige, Hadas הדס, und 2 Äste von der Bachweide, Arwei Nachal ערבי נחל (Arwei ist die Pluralform von Arawa, einer Bachweide.). (Nicht zu verwechseln: Arawa ist auch die biblische Bezeichnung der Steppe zwischen dem Yam HaMelach, dem Toten Meer, und dem Roten Meer.) Es ist die Sitte, an den Tagen des Laubhüttenfestes, außer am Schabat-Ruhetag, die vier Arten mit zum Gebet in der Synagoge zu nehmen. Nach der Thoralesung pflegt man eine Runde (Hakafa) gegen die Uhrzeigerrichtung rund um den zentralen Tisch der Synagoge, auf dem die Thorarolle beim Gebet gestellt ist, gemeinsam zu gehen bzw. zu tanzen. (Außerhalb der Lesezeiten der Thora werden die Thora-Rollen im Aron HaKodesch ארון הקודש, dem Schrank des Heiligtums (Thora = Heiligtum) an der Ostwand der Synagoge, also nahe Richtung Jerusalems, aufbewahrt. Am siebten Tag geht man bzw. tanzt man siebenmal um den Thora-Tisch. So erinnern sowohl die sieben Tage des Festes als auch die sieben Runden (Hakafot) an die sieben Tage der Schöpfung.

Die 4 Arten (4 Minim ארבעת המינים) stehen symbolisch für die 4 Typen der Gesellschaft der Kinder Israels: Der Etrog (die Zitrusfrucht) steht für einen Baum, der sowohl Geruch als auch Geschmack hat. Dies entspricht der Person, die sowohl die Thora-Gebote lernt, als auch diese mit guten Taten umsetzt. Der Lulaw (die Palmen-Spitze) erinnert an die gut schmeckenden Datteln, aber hat keinen Geruch. Der Lulaw steht also für die Person, die Thora lernt, aber keine gute Taten dem Lernen folgen lässt. Der Haddas הדס (die Myrthe) hat einen wunderbaren Geruch, aber keinen Geschmack. Die Myrthe steht also für eine Person, die Gutes tut, aber die Thora nicht lernt. Die Arawa ערבה (die Bachweide) hat weder Geschmack noch Geruch. Sie entspricht einer Person, die weder Thora lernt, noch Gutes tut. So erkennt man die vier Arten der Kinder Israels. Und man pflegt die Palmenspitze gemeinsam mit den 3 Myrthen-Zweigen und den zwei Bachweidenzweigen fest zusammen in einer Hand zu halten. Das erinnert daran, dass auch dünne Äste, die einzeln sehr biegsam und zerbrechlich sind, stark und unzerbrechlich werden können, sobald sie gebunden (also gemeinsam) sind. Dies soll den Gedanken illustrieren, dass sobald die Kinder Israels gemeinsam sind, sie durch die Gemeinschaft stark werden.

Eine archäologische Belegung der Sitte: Eine uralte Münze aus der Zeit des jüdischen Bar-Kochba-Aufstandes gegen die Römer im Jahre 135 zeigt die 4 Arten, und illustriert die uralte Tradition.

Während der Sukkot-Feiertage pflegt man die Sitte, im Synagogen-Gebet die 4 Arten zu halten, und sie schüttelnd in die 4 Windrichtungen (laut Rabbiner HaAri in der Reihenfolge nach Süden, Norden, Osten, nach Oben, nach Unten und nach Westen) zu bewegen. Dabei spricht man ein Psalmgebet, „Ana Adonai Hoschia na“ אנא ה‘ הושיעה נא (Bitte, Ewiger, erlöse uns“). Daher heißen diese Riten die Hoscha’anot, die Erlösungsgebete. Am letzten Wochentag des Sukkot-Feiertages pflegt man besonders viele Bitten zu äußern. Daher heißt der Tag vor Schemini Azeret Hoscha’ana raba (Viele Erlösungsbitten). Der Brauch ist, mit 5 Zweigen der Bachweide auf den Boden zu schlagen, um seine Sünden nochmals rechtzeitig noch an diesem Tag abzuschütteln, da am nächsten Tag das Urteil Gottes über die Menschen rechtskräftig werde, das am Rosch HaSchana gefällt wurde, und am Jom Kippur besiegelt wurde. So besagt die jüdische Tradition.

Zur Tempelzeit hat man eine Reihe von täglichen Opfern an den Sukkot-Feiertagen dargebracht. Die Mussaf-Opfer bestanden aus Stieren, Widdern und Schaafen. Die Widder sollen bekanntlich den Ewigen an Abraham und die Bindung Isaaks erinnern. Zusammen genommen waren es in den 7 Tagen 70 Opfertiere an der Zahl. Manche Gelehrte deuteten die Zahl 70 in Zusammenhang der 70 Nationen, die in der Bibel genannt werden. Dieser universelle Bezug des Thora-Gebotes wird im Buch Zacharia in Kapitel 14 deutlich unterstrichen. Heutzutage pflegen Tausende Christen auch deswegen am Jerusalemmarsch während des Sukkot-feiertages teilzunehmen.

Am zweiten Tag des Laubhüttenfestes im Schemita-Jahr (dem siebten Jahr, dem Ruhejahr des Bodens) hat man gemäß des Gebotes im Buch Dewarim (5. Mose) Kapitel 31 in den Versen 9-13 das Volk versammelt, um gemeinsam Thora-Unterricht der Weisen zu erleben. Dieses Gebot des Hakhels  הקהל war eine außerordentlich feierliche Großzeremonie mit Tausenden Menschen. Unter anderem wurde das zentrale Gebet „Höre Israel“ שמע ישראל vom  5. Mose, Kap. 6, Vers 4 laut gesprochen. In diesem Satz bekundet man den Glauben an einem Gott.

Seit 1946 pflegt man in Jerusalem das Gebot des Hakhels vor dem Kotel (der Klagemauer) mit großem Zeremoniell abzuhalten. 1994 hat sogar Israels damaliger Staatspräsident Chaim Herzog öffentlich aus der Thora beim Hakhel gelesen. Herzog stammte aus einer berühmten Rabbinerfamilie.

Es kann an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Bibel-Buch des Königs Salomon Kohelet קהלת heißt. Wie oben erklärt, bedeutet Hakhel „zu versammeln“ und Kohelet bedeutet „Der Versammler“. Die bekannte deutsche Bezeichnung des Bibel-Buches mit Prediger ist also leider nicht nur wörtlich, sondern auch inhaltlich falsch. Denn, König Salomon nannte sein Buch Kohelet, um das Volk zum gemeinsamen Thora-Lernen rund um die Thora-Rolle einzuladen, also zu versammeln. Salomon wollte nicht einspurig als ‚Prediger‘ das Volk belehren. (Zu den richtigen Übersetzungen der Namen der Bücher der Bibel werden Sie in meinem sich im Arbeitsstadium befindlichen Bibel-Kommentar-Buch Weiteres hoffentlich bald lesen können. Unterstützer und Förderer des Buch-Projekts sind herzlich willkommen. Einzelheiten per Email bei lipinskiari@gmail.com gern erhältlich.)

Sukkot ist laut dem Propheten Amos sowohl die trostvolle Verheißung als auch das Gebot, das Land Israel zu besiedeln: Kapitel 9, Vers 11: „An jenem Tage werde ich die verfallene Hütte Davids aufrichten und ihre Risse vermauern und ihre Trümmer aufrichten, und ich werde sie bauen wie in den Tagen vor alters (der Vorzeit)“. (Elberfelder Übersetzung)

Simchat Thora שמחת תורה (Die Freude der thora): Am letzten Tag des Sukkot-Festes, am Schemini Azeret, schließt man die Lesung des letzten Wochenabschnitts der Thora ab, und beginnt sofort im Anschluss daran mit der öffentlichen Lesung des ersten Wochenabschnitts im ersten Buch der Thora, Bereschit (1. Mose), dem Abschnitt Bereschit (Am Anfang). Die große Freude darüber, dass man die Thora (die fünf Bücher Mose) zu Ende gelesen hat, ist sehr groß. Den Mann, der mit der Lesung des ersten Wochenabschnitts, Bereschit, geehrt wird, nennt man Chatan Bereschit חתן בראשית (Der Bräutigam des Bereschit-Abschnitts). Die Thora gilt als eine Braut des Volkes Israels. Am Abend nach Ausgang des Schemini Azeret-Festtages begeht man die Freude über die Thora-Lesung damit, dass man die Thora-Rollen sogar aus der Synagoge herausholt und auf Tischen draußen (sogar mitten auf den Straßen, oder auf öffentlichen Bühnen und Plätzen) stellt. Besondere Bibel-Verse werden gelesen, und dann tragen Männer die Thora-Rollen in Runden (den sogenannten zweiten Hakafot הקפות שניות) um die Thora-Tische. Es ist eine besondere Ehre und Freude, wenn man zum Tragen der Thora-Rolle eingeladen wird. Meistens verbindet man mit der Ehrung als Dank eine Spende für die Armen bzw. für die Synagoge zum Erhalt der Thora-Rollen. Es werden 7 Umrundungen (Hakafot) vorgenommen. Man tanzt dabei mit den Thorarollen, und alle (auch Frauen und Kinder) können die Thora-Rollen anfassen bzw. küssen. (In den Synagogen sind meistens die Bereiche für Männer und Frauen getrennt. Die Thora-Lesung wird von Männern vorgenommen. In den modernen Reform-Synagogen gibt es die Trennung der Bereiche von Männern und Frauen nicht. Es gibt auch Reform-Rabbinerinnen und Vorbeterinnen.)

Die Tatsache, dass die Thora-Rollen geschlossen getragen und gefeiert werden, soll unterstreichen, dass jeder vom Volke Israel einen unmittelbaren Bezug zur Thora hat, ungeachtet dessen, ob er viel oder wenig Thora gelernt hat! Alle sind gleich in der Nähe zur Thora!

Laut dem großen Gelehrten Don Isaak Abrabanel (1437 -1508) hat das Fest Simchat Thora seine Wurzel im Land Israel in der Tradition des Hakhels. Laut Abrabanel hat der Hohe Priester am Schmita-Jahr die Thora-Lesung vor dem Volk am Ende des Laubhütten-Festes Sukkot, am Schemini Azeret, der Freude der Thora beendet. (Quelle: Abrabanel zu Dewarim (5. Mose) Kapitel 31, im Wochenabschnitt WaJelech.)

(Der obige Text und die Fotos stehen unter Copyright © von Ari Lipinski. Sie sind Ausschnitte aus dem Bibel-Kommentar-buch von Ari, das in Vorbereitung ist.)

Back to blog
Back to Audio blog